Im April 2019 machte ich mich fertig für meine Reise nach Japan.
Die Sachen waren gepackt und der innere Friede gemacht.

Welcher innere Friede ?
Seit 30 Jahren habe ich „mein“ Dojo noch nie für eine solange Zeit verlassen.
Ebenfalls war ich mir bewusst, das mein direktes Kampfsporttraining (Techniken)
auch etwas warten muss.

Mir war auch bewusst das ich die nächsten Monate „fast“ niemanden haben werde
mit dem ich mich unterhalten kann.

Der einzige Weg einer Unterhaltung, mit den „alten Freunden“ ist der digitale Weg.

Wenn ich mir die heutige Zeit, das Jetzt so anschaue, ist fast genauso.
Nur mit dem Unterschied, das ihr nicht in das Dojo kommen dürft.

Ich sitze hier mit meinen Erfahrungen und Wissen und kann sie nicht so weitergeben
wie es notwendig ist.

Was fehlt mir ?
Die Flinken Pfötchen, sie fehlen. Sie halten mich frisch, durch ihre natürliche Art.
Man spricht von einem Plüschtier und im gleichen Augenblick wird man gefragt
ob man auch ein Pflaster am Knie hat. Darauf muss ich eingehen und genau das
hält mich geistig „frisch“. Na klar ist es auch die Bewegung, der Kinder. Zu sehen
wie sie Mut und Kraft entwickeln und über sich hinauswachsen.

Dann fehlt mir das Kampftraining in all seinen Zügen.
Das bewegen, das fragen, das verbinden der Vergangenheit mit dem Jetzt.
Das alte Wissen mit dem heutigen in Verbindung zu bringen.
Zu sehen wie sich Bewegungen entwickeln, wie der Kopf folgt und viele Dinge mehr.

Ja das fehlt.

Wir können eine ganz Zeit alleine trainieren, doch ein Partner wird früher oder später fehlen.

Was können wir in dieser Zeit üben ?

Gichin Funakoshi – der Gründer des Shotokan Karate, war mal für eine sehr lange Zeit inhaftiert.
Er sagte in seiner Biografie „Es war eine gute Zeit, ich konnte mich auf meine Meditation konzentrieren.
Die alltäglichen Dinge störten mich nicht, ich wurde versorgt.“

Ich denke es ist der richtige Zeitpunkt seine Willensstärke durch Meditation zu entwickeln.

Meditation ist mehr als „nur rum sitzen“ und „ohmmmm“ brummen.

Meditation ist die völlige Hingabe in das „HIER & JETZT“.
Es gibt kein Gut oder Schlecht.
Es gibt kein Zu kalt oder Zu warm.
Alle Tätigkeiten welche man macht, macht man mit vollkommener Hingabe.

Wenn du den Müll raus bringst, wie viele Stufen überquerst du ?
Wie viele Schritte sind es von deinem Fernseher zum Kühlschrank ?
Wie machst du dir etwas zum essen ?
Ist eine Sekunde wirklich eine Sekunde ?
Wie wandert der Schatten ?

Sicherlich kann man noch mehr aufzählen, gerade die Dingen welche wir jeden Tag machen.
Beginnt diese Dinge bewusst zu machen. Wenn sie euch bewusst geworden sind,
reduziert diese Dinge auf die notwendigen Handlungen. Keine Ablenkung drum herum.

Oft, viel zu oft lenken wir uns von den jetzigen Dingen ab. Wir machen viele Dinge zur gleichen Zeit
„weil es ja fertig werden muss“. Ja es muss fertig werden, was auch immer es ist.

Durch das „ablenken“ wissen wir nicht ob wir es richtig getan haben, ob wir es getan haben
und vor allem, wir erkennen nicht unseren Weg in dem Tun.

Beobachtet euch selbst und werdet euch bewusst was euch diese Zeit gibt.

Shihan Hokori
Thomas Stolz